Peppol ist kein Rechnungsformat. Peppol ist ein Zustellnetz — und fast alle Missverständnisse stammen daher, dass zwei verschiedene Dinge denselben Namen tragen: das Netz, über das ein Dokument fährt, und die Nachricht, die darin liegt.
Die Kurzfassung für Deutschland: Für die deutsche E-Rechnungspflicht brauchen Sie Peppol nicht. Der Übermittlungsweg ist frei; ein normales E-Mail-Postfach genügt zum Empfangen. Interessant wird Peppol, wenn Sie ins Ausland fakturieren, an Behörden liefern oder Kunden haben, die es verlangen.
Vier Ecken und was dazwischen passiert
Das Netz arbeitet nach dem Vier-Ecken-Modell. Sie schicken nicht an den Empfänger, sondern an Ihren Dienstleister; dessen Gegenstück auf der anderen Seite stellt zu.
Bevor etwas verschickt wird, fragt Ihr Access Point zwei Verzeichnisse: SML und SMP. Das erste sagt, wo die Angaben zu dieser Peppol-ID liegen, das zweite, welcher Access Point den Empfänger bedient und welche Dokumenttypen er überhaupt annimmt. Das ist die entscheidende Auskunft — sie erklärt, warum eine technisch fehlerfreie Datei trotzdem nicht zustellbar sein kann.
Transportiert wird per AS4, in der Peppol-Ausprägung peppol-transport-as4-v2_0: immer Push und nie Pull, TLS ab Version 1.2, die Nutzlast als Anhang, ein verpflichtender Umschlag (SBDH) um jedes Dokument. Als Nutzer sehen Sie davon nichts — es erklärt aber, warum eine Peppol-Zustellung eine Quittung auf Protokollebene hat, die eine E-Mail nicht kennt.
Die Peppol-ID ist die Adresse
Eine Peppol-ID besteht aus einem Schema und einem Wert, geschrieben als Schema:Wert. Gebräuchlich sind:
| Schema | Wert | Typisch für |
|---|---|---|
0088 | GLN | Handel, international verbreitet |
9930 | USt-IdNr., z. B. 9930:DE123456789 | deutsche Unternehmen |
0204 | Leitweg-ID | deutsche öffentliche Auftraggeber |
Bei Behörden fällt dabei zusammen, was sonst getrennt ist: Die Leitweg-ID steht als Käuferreferenz (BT-10) in der Rechnung und dient mit dem Präfix 0204 zugleich als Netzadresse. Deshalb führt eine falsche Leitweg-ID gleich zu zwei Problemen auf einmal.
Nicht zu verwechseln damit ist die elektronische Adresse in der Rechnung selbst (BT-34 für den Verkäufer, BT-49 für den Käufer). Die trägt ein eigenes Schema — in den Dateien, die dieser Dienst erzeugt, steht dort die E-Mail-Adresse (EM), nicht eine Peppol-ID.
Peppol BIS Billing 3.0 — die Nachricht, nicht das Netz
Peppol BIS Billing 3.0 ist die Rechnungsspezifikation, die über dieses Netz fährt: eine EN 16931-Ausprägung (CIUS) in der Syntax UBL 2.1. Geprüft wird nicht mit einem eigenen XSD, sondern mit Schematron-Regeln über dem UBL-Schema — daher die Fehlercodes PEPPOL-EN16931-* neben den bekannten BR-*.
Die Spezifikation wird zweimal im Jahr nachgezogen, und das ist keine Formalie: Die Fassung 3.0.21 wurde am 20. Mai 2026 veröffentlicht und ist seit dem 17. August 2026 verbindlich. Wer einen Dienstleister wählt, wählt mit ihm die Frage, ob solche Termine bei ihm jemand verfolgt.
Der Punkt, der ZUGFeRD-Nutzer betrifft: Empfänger im Netz müssen UBL annehmen können. Die CII-Syntax — also genau die, die in einer ZUGFeRD- oder Factur-X-Datei steckt — ist im BIS nur optional: Sie kommt nur an, wenn der Empfänger sie im SMP ausdrücklich registriert hat. In der Praxis wandelt der Access Point um. Und: Die sichtbare PDF-Seite fährt nicht mit. Über Peppol geht die strukturierte Nachricht, nicht das hybride Dokument.
Neben BIS Billing fährt inzwischen auch PINT, das internationale Rechnungsmodell mit Länderausprägungen (EU, Japan, Singapur, Australien/Neuseeland, Malaysia). Die Fassung 1.1.3 wurde am 8. Juni 2026 veröffentlicht und ist für Dienstleister seit dem 7. September 2026 verbindlich. Beides ist UBL; der Unterschied liegt darin, welcher Regelsatz die Datei beim Eintreffen prüft. Eine Zusammenführung beider Linien ist angekündigt — ein Datum dafür gibt es nicht, und wer Ihnen eines nennt, hat es sich ausgedacht.
Wo Peppol Pflicht ist — und wo nicht
| Land | Rolle von Peppol |
|---|---|
| Deutschland, B2B | kein vorgeschriebener Weg; E-Mail genügt, Peppol ist eine Option |
| Deutschland, B2G | üblicher Weg zu den Rechnungseingangsplattformen, Adresse ist die Leitweg-ID |
| Belgien | seit 1. Januar 2026 der vorgesehene Kanal für inländisches B2B |
| Slowakei | ab 1. Januar 2027 B2B über Peppol, mit fünfter Ecke |
Dass der Weg in Deutschland frei ist, steht so in den Schreiben des Bundesfinanzministeriums: Übermittlung per E-Mail, Download über ein Portal, EDI oder Schnittstelle — worauf sich die Parteien einigen, ist zivilrechtlich ihre Sache. Ein gesondertes Postfach nur für E-Rechnungen ist nicht nötig.
Die fünfte Ecke ist der Grund, warum Peppol gerade wieder häufiger in Gesetzestexten auftaucht. Die Slowakei hat ihre B2B-Pflicht zum 1. Januar 2027 beschlossen (Gesetz 385/2025 Z. z., vom Parlament am 9. Dezember 2025 verabschiedet, am 19. Dezember 2025 veröffentlicht): Rechnungen laufen über das gewöhnliche Vier-Ecken-Netz, die Daten zusätzlich an die Finanzverwaltung — sie ist die fünfte Ecke. Weitere Fristen nach Ländern stehen bei den Übergangsfristen.
Einen Access Point wählen
Ein Access Point ist ein akkreditierter Dienstleister; direkt ans Netz anschließen kann sich niemand. Worauf es bei der Wahl ankommt:
- Welche Dokumenttypen er anbietet — Billing 3.0 in der aktuellen Fassung, und ob auch PINT, falls Sie außerhalb Europas fakturieren.
- Ob er die Releases mitgeht. Der Stichtag 17. August 2026 ist das Muster: Ein Dienstleister, der solche Termine verschläft, wird Ihr Problem, nicht seines.
- Ob er aus Ihrer CII-Datei UBL macht, wenn Ihr System ZUGFeRD oder Factur-X erzeugt — sonst liegt diese Umwandlung bei Ihnen.
- Empfangen, nicht nur senden. Ihre Peppol-ID wird in seinem SMP registriert; danach kommt eingehende Post über ihn.
- Wie ein Wechsel abläuft. Genau diese Registrierung ist der Punkt, an dem ein Anbieterwechsel hängt. Die Frage vor der Unterschrift stellen, nicht danach.
- Das Preismodell — pro Dokument oder pauschal — und was Eingang kostet, nicht nur Ausgang.
Was Peppol nicht ist
- Kein Format. Ihre Rechnung entsteht nach EN 16931; Peppol bestimmt nur die Syntax, in der sie ins Netz geht.
- Kein Archiv. Die Aufbewahrungspflicht bleibt bei Ihnen, samt allem, was in der Aufbewahrung steht. Der Access Point ist kein Ablageort.
- Keine Bestätigung, dass die Rechnung inhaltlich stimmt. Geprüft wird gegen die BIS-Regeln — nicht, ob Steuerkategorie, Leistungsbeschreibung und Beträge zu Ihrem Geschäft passen. Was eine Prüfung leistet und was nicht, steht bei der Validierung.
- Keine Voraussetzung für die deutsche Pflicht. Siehe oben.
Was E-Rechnung Pro hier kann — und was nicht
Kein Access Point. Der Dienst versendet nichts ins Peppol-Netz und hat keine Anbindung daran. Er erzeugt und prüft Dateien; der Versand liegt bei Ihnen oder Ihrem Dienstleister.
Zwei Dinge sind trotzdem erwähnenswert, weil sie in der erzeugten Datei tatsächlich stehen:
- Als Geschäftsprozess (BT-23) trägt jede hier erzeugte Rechnung
urn:fdc:peppol.eu:2017:poacc:billing:01:1.0— die übliche Kennung des Standard-Rechnungsprozesses. Das macht die Datei nicht zu einer Peppol-Nachricht, es ist die Angabe, die die Prüfregeln an dieser Stelle erwarten. - Die elektronische Adresse (BT-34/BT-49) wird aus der E-Mail-Adresse gefüllt, Schema
EM. Wer eine Peppol-ID einsetzen will, ersetzt sie im Zielsystem.
Wofür der Dienst hier taugt: die Datei prüfen, bevor sie an einen Access Point geht. Gegen EN 16931 und die deutschen Regeln geprüft zu sein, erspart die Runde, in der der Dienstleister dieselbe Datei zurückweist.
Häufige Fragen
Brauche ich Peppol für die E-Rechnungspflicht in Deutschland?
Nein. Der Übermittlungsweg ist nicht vorgeschrieben; ein E-Mail-Postfach reicht zum Empfangen aus, und ein gesondertes Postfach dafür ist nicht nötig.
Kann ich eine ZUGFeRD-Datei über Peppol schicken?
Das XML daraus ist CII, und CII ist im Netz optional — nur Empfänger, die es im SMP registriert haben, bekommen es. Üblich ist die Umwandlung nach UBL durch den Access Point. Die sichtbare PDF-Seite fährt in keinem Fall mit.
Was ist meine Peppol-ID?
Ein Schema plus Wert, zum Beispiel 9930:DE123456789 mit der USt-IdNr. oder 0088 mit einer GLN. Deutsche Behörden werden über 0204 plus Leitweg-ID adressiert. Vergeben und registriert wird sie über Ihren Access Point.
Was kostet Peppol?
Das Netz selbst verkauft nichts — bezahlt wird der Dienstleister. Üblich sind Modelle pro Dokument oder als Pauschale; vergleichen Sie beide Richtungen, Senden und Empfangen.
Ist Peppol dasselbe wie Peppol BIS Billing 3.0?
Nein. Peppol ist das Netz, BIS Billing 3.0 die Rechnungsspezifikation darin. Man kann über Peppol auch andere Dokumente austauschen, etwa Bestellungen.
Wer prüft die Rechnung unterwegs?
Der Access Point prüft gegen die BIS-Regeln und weist zurück, was dagegen verstößt. Ob der Inhalt stimmt — Steuerkategorie, Beträge, Leistungsbeschreibung — prüft niemand für Sie.
Was ist das Fünf-Ecken-Modell?
Die vier gewohnten Ecken plus die Finanzverwaltung als fünfte, die die Rechnungsdaten mitbekommt. Die Slowakei führt es zum 1. Januar 2027 ein; ein Zustellnetz wird damit zugleich zum Meldeweg.
Kurz zusammengefasst
- Peppol ist das Netz, BIS Billing 3.0 die Nachricht — zwei Dinge, ein Name.
- Vier Ecken: Sie kennen nur die Peppol-ID, SMP und SML klären den Rest.
- UBL ist Pflicht, CII optional — die CII aus ZUGFeRD kommt nur an, wo der Empfänger sie registriert hat.
- Aktuell ist 3.0.21, verbindlich seit dem 17. August 2026; solche Termine muss Ihr Dienstleister mitgehen.
- In Deutschland ist der Weg frei, in Belgien ist Peppol der Kanal, in der Slowakei ab 2027 samt fünfter Ecke.
- Vor dem Access Point prüfen spart die Rückweisungsrunde.
Bevor die Datei an einen Access Point geht: hier hochladen — gegen EN 16931 und die deutschen Regeln geprüft, ohne Anmeldung.
